Zwischen Verheißung und Erfüllung

„Ob sie aber verzieht, so harre ihrer: sie wird gewiss kommen und nicht verziehen.“Habakuk 2,3 (Luther 1912)

Wir beten und hoffen, und manches bleibt lange unvollendet. Der Prophet Habakuk kennt das. Er sieht Gewalt und verdrehtes Recht und fragt Gott: Wie lange lässt du das zu? Er verstummt nicht. Er hält Gott seine Klage vor und erwartet eine Antwort.

Dabei tritt er wie ein Wächter auf seine Warte. Er bleibt aufmerksam, schaut und nimmt sich Zeit. So kann auch Hören auf Gott Raum brauchen: Wir öffnen die Bibel, bringen unsere Situation vor ihn und rechnen damit, dass er uns anspricht. Wir dürfen mit Gottes Zusagen zu ihm kommen und fragen, wo ihre Erfüllung bleibt. Zugleich wollen wir seine Antwort hören, auch wenn sie unsere Vorstellungen verändert.

Gott antwortet. Habakuk soll die Vision deutlich aufschreiben, damit sie das Warten überdauert. Halte auch du fest, was dich aus Gottes Wort angesprochen hat: den Bibeltext, seine Zusage, deinen nächsten Schritt. Einen persönlichen Eindruck prüfen wir an der Schrift und im Gespräch mit reifen Christen.

Dann sagt Gott: Die Vision wird gewiss kommen, auch wenn sie sich verzögert. Seine Verlässlichkeit ist gewiss, aber Habakuk erhält keinen Termin, über den er verfügen könnte. Ein Landwirt kann die Ernte nicht beschleunigen, indem er täglich die Saat ausgräbt. Dennoch pflegt er sein Feld.

Und dann die Mitte: „Der Gerechte aber wird seines Glaubens leben.“ (Habakuk 2,4, Luther 1912) Das hebräische Wort emunah umfasst Treue, Verlässlichkeit und Beständigkeit. Glauben ist mehr als ein starkes Gefühl oder die Überzeugung, dass mein Wunsch eintreten muss. Ich halte an Gottes Zusage fest und bleibe offen dafür, wie er sie verwirklicht.

Die Verheißung prägt schon das Leben im Warten. Wenn ich um Versöhnung bete, kann ich schon heute auf abwertendes Reden verzichten und einen Gesprächsschritt wagen. Aus Glauben leben beginnt schon zwischen Verheißung und Erfüllung.

Geduld ist gelebtes Vertrauen.

Aus dem Impuls

Zum Nachdenken

  • Was halte ich Gott im Gebet vor?
  • Welche klare Zusage möchte ich bewahren?
  • Welcher nächste Schritt entspricht heute meinem Vertrauen auf ihn?