Paul Hiebert beschreibt einen Weg zwischen pauschaler Ablehnung einer Kultur und unkritischer Übernahme: verstehen, die biblische Norm erarbeiten, prüfen und Neues entwickeln. Ich übertrage das auf Deutschland, wo christliche Feste und Lebensfeiern vielen nur noch als feierlicher Rahmen dienen. David Bosch zeigt in „Ganzheitliche Mission“, dass Verkündigung, Gemeinschaft, Dienst und Gottesdienst zusammengehören. Sein Schlusswort halte ich bis heute für richtungsweisend: Die Kirche schuldet der Welt Glauben, Hoffnung und Liebe.
Was schuldet die Kirche eigentlich der Welt?
Worum es geht
Paul Hiebert zeigt einen Weg zwischen zwei Sackgassen. Wer eine Kultur pauschal ablehnt, verschließt Menschen den Zugang zum Evangelium. Wer alles unkritisch übernimmt, lässt die Botschaft im Bestehenden aufgehen, bis sie wirkungslos wird. Kritische Kontextualisierung geht in vier Schritten vor und trennt dabei das biblische Prinzip von der Form, in der Christen anderswo es gelebt haben.
Für mich liegt darin ein Prozess der Jüngerschaft: Echte Veränderung braucht ein neues, selbst erarbeitetes Verständnis. Kultur ist nicht unabänderlich, sie wächst aus Werten und Überzeugungen. Darum braucht es diesen Prozess auch dort, wo das Christentum die Kultur lange geprägt hat. Weihnachten, Konfirmation, Trauung oder Beerdigung werden gefeiert, oft ohne Bezug zu ihrem Sinn.
David Bosch schrieb „Ganzheitliche Mission“ in einer Zeit, in der eine Form von Mission, die eng mit der Kolonialisierung verbunden war, wegbrach. Er nimmt die großen Streitfragen auf, etwa wie sich Evangelisation und Mission zueinander verhalten oder was evangelikales und ökumenisches Missionsverständnis trennt. Statt eine Seite zu wählen, setzt er scheinbare Gegensätze in eine kreative Spannung. Die ganze Kirche ist missionarisch, auch wenn nicht jede ihrer Tätigkeiten ausdrücklich Mission ist.
Echte Veränderung ist nur durch ein neues, erarbeitetes Verständnis möglich.
Aus dem Beitrag zu Hiebert, S. 2
Drei Gedanken, die bleiben
- Zwischen pauschaler Ablehnung und unkritischer Übernahme einer Kultur gibt es einen dritten Weg: verstehen, prüfen, verwandeln.
- Der Kontext bestimmt, wo die Betonung liegt: Verkündigung, Gemeinschaft, Dienst oder Gottesdienst.
- Die Spannung zwischen diesen Aspekten bleibt. Sie will nicht aufgelöst, sondern kreativ gestaltet werden.
Im Gespräch mit
Für die Praxis
Für Gemeinden heißt das: Feiertage und Lebensfeste wie Weihnachten, Konfirmation, Trauung oder Beerdigung brauchen mehr als einen feierlichen Rahmen. Wer mit Menschen erarbeitet, welche biblische Überzeugung dahintersteht, hilft ihnen, Traditionen weder einfach zu übernehmen noch pauschal abzulehnen. Aus klaren Überzeugungen können Rituale entstehen, die tragen. Und Mission darf je nach Ort und Menschen unterschiedliche Schwerpunkte setzen: Verkündigung, Gemeinschaft, Dienst oder Gottesdienst.
Beide Texte sind kurze Studienarbeiten für ein Fachpublikum. Wenn Sie tiefer einsteigen möchten, sprechen Sie mich gern an.
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