Führen mit Gespür

Originaltitel: Situative Führung mit emotionaler Kompetenz

2020FacharbeitDeutsch16 Seiten2 Min. Lesezeit
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Viele Führungsmodelle versprechen eine Lösung für alle Fälle. Ich bin überzeugt: Den einen idealen Führungsstil gibt es nicht. Gerade in Gemeinden mit vielen Ehrenamtlichen stoßen Anweisungen, Aufgabenbeschreibungen und Organigramme an Grenzen. Leitung geschieht dort in alle Richtungen, auch unter Gleichgestellten und gegenüber der Leitung selbst. Ich verstehe situative Führung als eine Kette kleiner, passender Schritte. Dafür muss ich wahrnehmen, was Menschen gerade bewegt. Denn wo Angst, Ärger oder Traurigkeit Energie blockieren, kommt kein Führungsimpuls an.

Warum gibt es den einen richtigen Führungsstil nicht?

Worum es geht

Als Pastor in einem Missionswerk mit Angestellten und vielen Ehrenamtlichen habe ich erlebt, dass universelle Führungsmodelle im Gemeindealltag oft zu kurz greifen. Wie dieselbe Rebsorte je nach Lage einen anderen Wein hervorbringt, so prägen Kontext und Kultur, wie Führung gelingt. In Gemeinden kommt etwas hinzu: Christen tragen Verantwortung füreinander, unabhängig von ihrer Stellung. Ich beschreibe das mit dem Modell der 360-Grad-Führung, also Einfluss nach unten, auf Augenhöhe und nach oben. Das braucht ein offenes, wertschätzendes Klima.

Situative Führung heißt, je nach Lage einen anderen Führungsstil zu wählen. Modelle wie Situational Leadership nach Hersey und Blanchard oder die Führungsampel von Hans-Joachim Hahn geben dafür Orientierung. Die eigentliche Herausforderung bleibt aber, die Situation richtig einzuschätzen. Oft verlangt ein unerwartetes Ereignis ein Eingreifen, mitten in Stress, Ärger oder Zeitdruck.

Deshalb lege ich den Schwerpunkt auf emotionale Kompetenz. Damit meine ich mehr als Freundlichkeit: die Fähigkeit, eigene und fremde Gefühle wahrzunehmen und so einzusetzen, dass sie dem gemeinsamen Ziel dienen. Gefühle verstehe ich dabei als Energie. Ist sie blockiert, kommt zuerst das Zuhören und erst dann das Lenken.

Während sich Maschinen mechanisch leiten lassen, besitzen Menschen Emotionen und müssen mit emotionaler Kompetenz geleitet werden.

Aus der Arbeit, S. 11

Drei Gedanken, die bleiben

  1. Den einen idealen Führungsstil gibt es nicht. Wer leitet, braucht verschiedene Werkzeuge und das Gespür, welches gerade passt.
  2. Führung geschieht nicht nur von oben nach unten. In der Gemeinde tragen alle Verantwortung füreinander, auch ohne Amt, und das gelingt nur in einem wertschätzenden Klima.
  3. Erst wahrnehmen, dann lenken. Wo Gefühle die Energie blockieren, muss sie zuerst wieder fließen, bevor ein Führungsimpuls ankommt.

Im Gespräch mit

Ruth SeligerFührung als Balancieren statt Patentrezept Hersey und BlanchardSituational Leadership: der Stil folgt der Situation Hans-Joachim Hahndie Führungsampel als kritische Ergänzung Alexander Grothemotionale Intelligenz im Führungsalltag Daniel Zindelgeistesgegenwärtig führen

Für die Praxis

Ein einfacher Anfang: Wenn ein Gespräch sichtlich emotional wird, hören Sie mindestens drei Minuten zu, bevor Sie antworten. Fragen Sie sich dabei: Fühle ich mich eher gut oder schlecht? Spüre ich viel oder wenig Energie? (Die Übung stammt von Alexander Groth.) Bei Freude und Interesse sind Menschen offen für Neues, bei Angst, Ärger oder Traurigkeit brauchen sie zuerst Unterstützung. Aufgabenbeschreibungen allein lösen keine Konflikte. Mindestens so wichtig ist die gemeinsame Arbeit an einer wertschätzenden Kultur.

Diese Zusammenfassung beruht auf einer Studienarbeit, die für ein Fachpublikum geschrieben ist. Wenn Sie tiefer einsteigen möchten, sprechen Sie mich gern an.

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