2020 musste eine geplante Klausur wegen Corona ausfallen. Die Frage blieb: Wie vermitteln wir gemeinsame Werte an Menschen, die sehr unterschiedlich mitarbeiten, angestellt oder ehrenamtlich, nah oder mit langer Anfahrt? Ich habe dafür ein Konzept über neun Monate entwickelt. Grundlage sind Glaube, Hoffnung und Liebe als tragende Werte und die neun Früchte des Geistes aus Galater 5 als Tugenden, die man einüben kann. Predigt, Bibelleseplan, Andacht und Leitertreffen greifen dabei ineinander.
Wie werden Werte lebendig, statt nur an der Wand zu hängen?
Worum es geht
Ein Werk mit vielen Arbeitsbereichen hat viele Gesichter: Gottesdienste vor Ort, Medien- und Missionsarbeit, soziale Projekte im Ausland. Dazu kommen Menschen mit sehr verschiedenen Voraussetzungen. Fachkräfte sind angestellt, viele Verantwortliche engagieren sich freiwillig, manche haben weite Wege. Junge und Ältere bringen sich ganz unterschiedlich ein. Wie entsteht in so einer Lage eine gemeinsame Basis?
Ein Blick auf die Geschichte und die heutige Arbeit des Werkes zeigte drei Werte, die alle Bereiche verbinden: Glaube an Gottes Eingreifen, Hoffnung auf Gottes bessere Perspektive und Liebe, die praktisch wird. Damit sie nicht beim Bekenntnis stehen bleiben, folge ich einem Gedanken von N. T. Wright: Charakter wächst, wenn Tugenden zu Gewohnheiten werden. Deshalb stehen die neun Früchte des Geistes im Mittelpunkt, jeden Monat eine.
Wichtig war mir, nicht bei Rollen und Pflichten anzusetzen, sondern bei der Identität: Wir sind berufen, als Könige und Priester zu leben. Damit wollte ich mich gegen Gesetzlichkeit und gegen geistliche Beliebigkeit stellen. Freiheit und Freude bilden den Boden, auf dem Reife wachsen kann.
Etablierte Werte sollten integriert werden, sie sind wie Baumstümpfe, die nicht ohne weiteres zur Seite gelegt werden können.
Aus der Arbeit, S. 10
Drei Gedanken, die bleiben
- Werte haben Wurzeln. Wer gemeinsame Werte sucht, beginnt bei dem, was in der eigenen Geschichte schon gewachsen ist.
- Zwischen ausgesprochenen Werten und gelebtem Verhalten liegt oft eine Lücke. Sie schließt sich eher durch eingeübte Gewohnheiten als durch gute Vorsätze.
- Charakter wächst in Gemeinschaft. Information allein reicht nicht, es braucht Inspiration, Austausch und persönliches Interesse.
Im Gespräch mit
Für die Praxis
Das Konzept verbindet mehrere Lernorte zu einem Thema. Eine monatliche Predigt gibt den Impuls, ein siebentägiger Bibelleseplan vertieft ihn. Im Leitertreffen, live und per Zoom, folgen ein kurzer Input, Austausch in Kleingruppen und ein gemeinsamer Abschluss. Dazu kommen ein persönliches Gespräch, eine Stunde Gebet im Monat und der Auftrag, selbst eine Person zu begleiten. Zum Start schätzt jeder seine Reife in den neun Tugenden auf einer Skala von 1 bis 10 ein.
Diese Zusammenfassung beruht auf einer Studienarbeit, die für ein Fachpublikum geschrieben ist. Wenn Sie tiefer einsteigen möchten, sprechen Sie mich gern an.
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